
Nicht-Staatsbürger in den USA riskieren Visa und Abschiebung wegen Cannabiskonsum
Nicht-Staatsbürger in den USA sehen sich weiterhin schweren Einwanderungsrisiken wie Visa-Ablehnung und Abschiebung ausgesetzt, wenn sie mit Cannabis in Berührung kommen, unabhängig von der Legalisierung im Bundesstaat
Key Points
- 1Das Bundesrecht stuft Marihuana weiterhin als kontrollierte Substanz ein und überlagert die Legalisierung auf Landesebene bei Einwanderungsfragen
- 2Zwischen 2002 und 2020 wurden über 47.000 Personen wegen marihuanabezogener Delikte abgeschoben, womit Cannabis eine der Hauptursachen für drogenbedingte Abschiebungen ist
- 3Schon indirekte Verbindungen zu Cannabis, etwa eine Beschäftigung in der legalen Branche, können zur Verweigerung der Staatsbürgerschaft oder anderer Einwanderungsleistungen führen
- 4Rechtsexperten warnen, dass jüngste Vorschläge zur bundesstaatlichen Neueinstufung von Cannabis Nicht-Staatsbürger kaum vor einwanderungsrechtlichen Folgen schützen werden
- 5OG Lab stellt fest, dass die anhaltende Diskrepanz zwischen Bundes- und Landesrecht Einwanderer trotz wachsender Legalisierung in den USA besonders verletzlich macht
Obwohl Cannabis in vielen US-Bundesstaaten inzwischen legal erhältlich ist, sehen sich Nicht-Staatsbürger erheblichen Einwanderungsrisiken ausgesetzt, wenn sie in irgendeiner Form mit Marihuana in Berührung kommen – selbst in Staaten, in denen es legal ist. Wie High Times berichtet, führt der Konflikt zwischen Bundes- und Landesrecht dazu, dass die bundesstaatlichen Einwanderungsbehörden Marihuana weiterhin als kontrollierte Substanz einstufen, ungeachtet der Legalisierung auf Landesebene. Dieser rechtliche Widerspruch macht Einwanderer anfällig für Visa-Ablehnungen, Komplikationen bei der Green Card und sogar Abschiebungen für Verhaltensweisen, die für US-Bürger legal sind
Zwischen 2002 und 2020 wurden laut Human Rights Watch mehr als 47.000 Personen wegen marihuanabezogener Delikte aus den USA abgeschoben, womit Cannabis die zweithäufigste Droge bei Abschiebefällen ist. Die US Citizenship and Immigration Services (USCIS) verlangt von Antragstellern auf Einbürgerung den Nachweis eines „guten moralischen Charakters“ („Good Moral Character“), und jeglicher Marihuanakonsum, selbst ohne strafrechtliche Verurteilung, kann eine bedingte Hürde für diese Anforderung darstellen. Das USCIS Policy Manual stellt klar: „Bestimmtes Verhalten im Zusammenhang mit Marihuana, das gegen das Controlled Substances Act (CSA) verstößt, stellt weiterhin eine bedingte Hürde für den GMC bei der Einbürgerungsberechtigung dar, selbst wenn eine solche Tätigkeit nach Landesrecht keine Straftat ist.“
Die Risiken gehen über den direkten Konsum hinaus: Eine Beschäftigung in der Cannabisbranche oder sogar indirekte Verbindungen zu Marihuana können den Einwanderungsstatus gefährden. Ein prominenter Fall betrifft Oswaldo Barrientos, dem die Staatsbürgerschaft allein aufgrund seiner Tätigkeit bei einem staatlich lizenzierten Cannabis-Anbauunternehmen verweigert wurde, obwohl er selbst nie Marihuana konsumiert hat. Rechtsexperten empfehlen Nicht-Staatsbürgern, keine medizinischen Marihuana-Karten, cannabisbezogene Gegenstände oder sogar Fotos und Nachrichten mit Cannabisbezug auf ihren Handys oder in sozialen Medien mit sich zu führen, um das Risiko zu minimieren
Für Inhaber von Nicht-Einwanderungsvisa oder Green Cards können die Konsequenzen sofort und gravierend sein. Schon das Eingeständnis früheren Marihuanakonsums bei einem Visainterview oder einer Grenzkontrolle – selbst wenn dieser Konsum nach Landesrecht legal war – kann zur Visaverweigerung oder zum Einreiseverbot führen. In seltenen Fällen, wie bei Natalie Burke, kann eine jahrzehntealte Marihuana-Verurteilung trotz Begnadigung durch den Gouverneur und langjährigem Aufenthalt in den USA noch immer Abschiebungsverfahren auslösen. Wie Human Rights Watch anmerkt: „Die Merkmale ihres Falls sind alltäglich – eine langjährige US-Residentin mit einem Drogenvergehen in der Akte, die jahrelangen Rechtsstreitigkeiten, langer Inhaftierung und der ständigen Abschiebungsdrohung sowie einem lebenslangen Einreiseverbot in die USA ausgesetzt ist.“
Jüngste Bemühungen, Marihuana auf Bundesebene neu einzustufen, wie die Exekutivanordnung von Präsident Donald Trump für 2025, die Cannabis in Schedule III verschieben soll, haben Hoffnungen auf Einwanderungserleichterungen geweckt. Rechtsexperten warnen jedoch, dass diese Änderungen kaum die strenge bundesstaatliche Haltung zu Cannabis und Einwanderung verändern werden. Solange das bundesstaatliche Verbot besteht, bleiben Nicht-Staatsbürger selbst bei indirektem Kontakt mit Marihuana gefährdet, unabhängig davon, wie sehr sich das Landesrecht entwickelt
Aus Sicht der Redaktion von OG Lab bringt die Diskrepanz zwischen Bundes- und Landesgesetzen zu Cannabis Einwanderer weiterhin in eine besonders prekäre Lage. Während sich Legalisierungsbemühungen in den USA ausweiten, bedeutet das Fehlen entsprechender Bundesreformen, dass Nicht-Staatsbürger wachsam bleiben müssen, um ihre Zukunft im Land nicht zu gefährden. Die Cannabisbranche und Interessengruppen werden genau beobachten, ob künftige bundesstaatliche Maßnahmen endlich diese anhaltende rechtliche Lücke schließen


