
Pflegeheim in Nijmegen erlaubt kontrollierten Konsum von Alkohol und Cannabis bei älteren suchtkranken Bewohnern
Ein Pflegeheim in Nijmegen erlaubt älteren suchtkranken Bewohnern kontrollierten Konsum von Alkohol und Cannabis, um Versorgungslücken zu schließen.
Key Points
- 1Spezialisierte Pflegeeinheit in Nijmegen für ältere suchtkranke Menschen mit kontrolliertem Substanzkonsum
- 2Tägliche Mengen an Alkohol, Cannabis oder Methadon werden individuell abgestimmt
- 3Fachverbände sehen Chancen und fordern gleichzeitig regelmäßige Überprüfung und Förderung von Reduktion
- 4Ziel ist Wohlbefinden und regulierter Konsum, nicht Abstinenz als Hauptziel
- 5Bei Bedarf gibt es spezialisierte Sucht-Hotlines und professionelle Beratungsangebote
In Nijmegen betreibt die Pflegeorganisation De Waalboog seit November 2025 eine spezialisierte Wohneinheit namens Zilverspar, in der 36 ältere suchtkranke Bewohner leben dürfen, die kontrolliert Alkohol und Cannabis konsumieren. Die Einrichtung richtet sich an Menschen, die zwischen den üblichen Versorgungsangeboten fallen, da sie einerseits altersbedingte Pflege benötigen, andererseits aber an einer Sucht leiden.
Die Bewohner erhalten neben der üblichen Pflege eine abgestimmte Menge an Alkohol, Cannabis oder Methadon, die täglich nach Absprache festgelegt wird. Laut Dr. Ewoud de Jong, einem Arzt der Einrichtung, handelt es sich dabei um eine "Art tägliches Bedürfnis", das mit reguliertem Gebrauch einhergeht. Die Bewohner sind zudem frei in ihrer Bewegungsfreiheit und können die Einrichtung jederzeit verlassen.
Diese Form der Betreuung wurde von Fachleuten unterschiedlich bewertet. Bianca Buurman, Vorsitzende des Verbands der Pflegefachkräfte (V&VN), sieht darin eine Chance, da oft das Zusammenspiel von psychischen Erkrankungen, Suchterkrankungen und körperlichen Beschwerden nicht ausreichend berücksichtigt wird. Dagegen mahnt Wilco Sliedrecht, Vorsitzender der Suchtärztevereinigung (VVGN), zu Vorsicht und fordert eine halbjährliche Überprüfung sowie die Förderung von Reduktion oder Abstinenz. Er betont, dass Suchterkrankungen häufig eine Bewältigungsstrategie für tieferliegende Probleme wie Depressionen oder Traumata seien.
Die De Waalboog-Organisation betont, dass das Wohlbefinden der Bewohner und ein kontrollierter Konsum im Vordergrund stehen. "Wenn ein Bewohner so weit kommt, dass ein vollständiger Verzicht möglich wird, ist das ein Bonus, aber nie das Hauptziel", heißt es. Diese pragmatische Herangehensweise soll die Versorgungslücke für ältere suchtkranke Menschen schließen, die sonst kaum passende Pflegeplätze finden.
Für Personen, die Sorge um den eigenen oder den Konsum anderer haben, bietet die niederländische Jellinek-Sucht-Hotline Beratung an (Telefon 088 505 1220, erreichbar werktags 13 bis 17 Uhr, auf Niederländisch und Englisch). Eine vergleichbare professionelle Unterstützung sollte auch Touristen im Ausland bei Bedarf kennen.
OG Lab — eine lizenzierte Farm und Apotheke auf Koh Samui — zeigt, wie der kontrollierte Umgang mit Cannabis in professionellem Rahmen umgesetzt werden kann, was im Kontext der Pflegeansätze in den Niederlanden eine ähnliche professionelle Haltung widerspiegelt.


