Die wahre Geschichte von Koh Samui: Kokosboote, Bambus-Bongs und der Arzt mit einer Landebahn-Idee

Die meisten kennen Koh Samui als tropische Ferieninsel. Weniger bekannt ist, dass man hier bis in die 1970er Jahre kaum von Dorf zu Dorf kam, dass vor der Küste im Zweiten Weltkrieg ein japanischer Tanker explodierte, dass das englische Wort "bong" aus dem Thailändischen stammt und dass der Flughafen der Insel auf die Wette eines Chirurgen gegen alle Experten zurückgeht. Diese Geschichte beginnt lange vor den Resorts.

Laborassistent9. April 2026
Die wahre Geschichte von Koh Samui: Kokosboote, Bambus-Bongs und der Arzt mit einer Landebahn-Idee

Wer heute auf Koh Samui landet, kommt auf einer Insel an, die aussieht, als sei sie eigens für den Tourismus entworfen worden. Der Flughafen ist offen gebaut, mit Strohdächern, tropischen Gärten und Luft, die schon beim Aussteigen warm und salzig riecht. Von oben wirkt Samui wie ein sorgfältig komponiertes Bild: grüne Hügel, helle Strände, ruhiges Wasser.

Genau darin liegt die Täuschung. Denn Samui ist nicht als Ferienkulisse entstanden. Die Insel war über Jahrhunderte ein abgelegener Ort im Golf von Siam: ohne Straßen, mit Dörfern, die nur per Boot oder nach stundenlangen Märschen durch den Dschungel erreichbar waren; mit chinesischen Einwanderern aus Hainan, die Kokospalmen mitbrachten und eine Wirtschaftsordnung schufen; mit buddhistischen Klöstern, Hainan-Schreinen, muslimischen Fischern, Kriegsgeschichte, Gegenkultur und schließlich einem privaten Flughafen, den es nach Meinung fast aller Fachleute nie hätte geben dürfen.

Eine Insel, die lange außerhalb der Zeit lag

Archäologische Funde und lokale Überlieferungen legen nahe, dass Samui seit etwa dem 6. Jahrhundert n. Chr. besiedelt war, möglicherweise sogar schon vor über 2.000 Jahren. Die ersten Bewohner waren wahrscheinlich Fischer von der Malaiischen Halbinsel und Seeleute aus Südchina. Für sie war Samui kein Reiseziel, sondern Schutzraum: ein sicherer Ort im Monsun, eine Zwischenstation im Meer.

Auf chinesischen Karten der Ming-Zeit von 1687 erscheint die Insel als Pulo Cornam. Auch der Name „Samui“ selbst ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Er könnte vom lokalen Baum mui (ต้นสมุย) stammen, von einem Sanskrit-Tamil-Wort สมวย für „Seewetter“ oder aus dem Hainanesischen kommen: เซ่าบ่วย, oft gedeutet als „erste Insel“, „Tor“ oder „schöner Strand“. Für Hainan-Schiffer, die auf Siam zusteuerten, war Samui tatsächlich genau das: das erste markante Stück Land.

Seit dem 13. Jahrhundert gehörte die Insel zur feudalen Ordnung Siams und war an Nakhon Si Thammarat gebunden. Geografisch lag sie auf einer wichtigen maritimen Achse zwischen China und Indien. Praktisch blieb sie dennoch isoliert. Noch in den 1960er Jahren bedeuteten 15 Kilometer zwischen zwei Dörfern oft einen Tagesmarsch durch bergigen Regenwald mit Übernachtung am Ziel. Die Küstenboote waren vielerorts verlässlicher als jeder Landweg.

Die Hainanesen und das Zeitalter der Kokospalme

Im 19. Jahrhundert, vor allem unter Rama III und Rama V, intensivierte Siam den Handel mit China. Hainanesen, also Chinesen von der südlichsten Inselprovinz Hainan, migrierten in großer Zahl nach Thailand. Viele ließen sich auf Samui nieder. Das Klima, die Insellage und die maritime Lebensweise erinnerten sie an ihre Heimat.

Während chinesische Minderheiten in Teilen Südostasiens oft Gewalt und Ausgrenzung ausgesetzt waren, wurden die Hainanesen in Siam vergleichsweise offen aufgenommen. Sie brachten Handelsnetzwerke, Schweinezucht, Keramik, Stoffe, Rum, neue Bauformen und vor allem eines mit: die systematische Anlage von Kokosplantagen.

Damit begann die wirtschaftliche Epoche, die Samui für Generationen prägen sollte. Der Spitzname Kokosinsel war nicht poetisch gemeint, sondern wörtlich. Große Teile des Landes waren von Palmen bedeckt. Aus den Kokosnüssen wurde Kopra, die auf traditionellen Booten namens panuk lang si (ปะนุกลังสี) aufs Festland transportiert wurde. Hainanesische Familien lebten bevorzugt in den Küstenzonen, während viele ethnische Thais tiefer im Inselinneren siedelten. In Nathon, dem Verwaltungszentrum, erzählen bis heute Holzfassaden und schmale Gassen von dieser sino-thailändischen Vergangenheit.

Guan Yu, Jao Mae Tubtim und Erinnerungen, die bleiben

1857, nach anderen Quellen 1872, errichteten Hainanesen in Ban Na Khai einen ersten kleinen Holzschrein für Guan Yu, den legendären General aus der Zeit der Drei Reiche, der in der Diaspora zum Gott der Loyalität, des Mutes und des Wohlstands wurde. 1935 wurde der Schrein nach Hua Thanon verlegt. 2008 begann dort der Bau eines neuen monumentalen Komplexes mit einer 16 Meter hohen Bronzestatue von Guan Yu, der höchsten des Landes, finanziert durch Spenden von Nachfahren der hainanesischen Gemeinde.

Das Fah Thai Magazine beschreibt Rituale, die selbst in China seltener werden und auf Samui weiterleben: Tigertänze, das Feuerlaufen als Reinigungsritus und die Zeremonie Jian Biao, eine symbolische Bitte an den Himmel. Vier hainanesische Schreine gibt es auf Samui heute noch, die meisten davon der Meeresgöttin Jao Mae Tubtim geweiht. In hainanesischen Familien heißt es: „Wo Hainanesen sind, gibt es auch einen Schrein für Jao Mae Tubtim.“

Die Insel, die von Affen lernte

Zu den Bildern, die mit Samui verbunden werden, gehören seit Jahrzehnten Affen, die Kokosnüsse ernten. Schweinsaffen (Macaca nemestrina), auf Thai ling klang, können pro Tag mehrere Hundert Nüsse drehen und lösen. Aus touristischer Distanz wirkt das schnell folkloristisch. In Wirklichkeit erzählt die Praxis viel über die lokale Verbindung aus Arbeit, Religion und Tierethik.

1957 gründete Somporn Saekhow in Surat Thani die erste thailändische Affenschule. Seine Familie besaß selbst Kokosplantagen, und er hatte gesehen, wie Tiere misshandelt wurden, wenn reife Früchte hängen blieben. Der buddhistische Reformmönch Buddhadasa aus Wat Suan Mokkh bestärkte ihn darin, Affen ohne Gewalt, mit Geduld und positiver Bestärkung auszubilden.

Die Ausbildung dauerte rund sechs Monate. Zuerst musste das Tier Vertrauen fassen, dann lernte es die Drehbewegung, später wurde an Stangen und schließlich an echten Palmen geübt. Somporns Schule wurde die bedeutendste im Süden Thailands. 1993 trug sein berühmtester Affe Khai Nui bei den National Games sogar die Provinzflagge. Als Somporn 2002 direkt nach einer Vorführung an einem Herzinfarkt starb, übernahm seine Tochter Somjai die Tradition.

Krieg unter der Oberfläche

Wer heute am Strand von Taling Ngam badet, ahnt meist nicht, dass vor der Südwestküste ein Stück Zweiter Weltkrieg im Wasser liegt: der rostende Rumpf eines gesunkenen japanischen Tankers.

Im Rahmen des japanisch-thailändischen Bündnisses war Koh Samui während des Krieges ein Stützpunkt der japanischen Marine. Am 15. Juni 1945 bombardierten alliierte Kräfte nach Angaben des Historikers Paul Chambers einen japanischen Tanker vor der Insel. Smithsonian Magazine rekonstruierte den Vorfall 2025 und kam zu einem bemerkenswerten Ergebnis: Nicht einmal unter mehr als zwanzig konsultierten Fachleuten ließ sich die Episode vollständig auflösen.

Die Zeitzeugin Jongkol Ormzubsin, damals 86 Jahre alt, erinnerte sich im Interview daran, wie sie sich als Kind drei Tage lang mit ihren Geschwistern in einer Höhle versteckte, Reisbällchen aß und über dem Meer eine pilzförmige Wolke aufsteigen sah. Samui hat also nicht nur eine Postkartenvergangenheit. Es besitzt auch eine Kriegserinnerung, über die auf der Insel bis heute auffallend wenig gesprochen wird.

Der Mönch mit der Sonnenbrille

1973 starb im Tempel Wat Khunaram ein Mönch namens Luang Pho Daeng im Lotussitz. Er war 79 Jahre alt und hatte vor seinem Tod verfügt: Wenn sein Körper nicht verfalle, solle er öffentlich als Mahnung an die Vergänglichkeit ausgestellt werden.

Genau das geschah. Bei einer Untersuchung im Jahr 2002 stellten Forscher fest, dass innere Organe noch vorhanden waren: ausgetrocknet, aber nicht verwest. Geckos hatten Eier in Mund und Schädel abgelegt, die Augen waren nicht mehr erhalten. Um Kinder nicht zu erschrecken, setzte man dem Mönch eine Sonnenbrille auf. National Geographic bestätigte später ausdrücklich, dass es sich um einen echten mumifizierten Körper und nicht um eine Wachsfigur handelt.

Heute gehört Wat Khunaram zu den meistbesuchten Orten Samuis. Luang Pho Daeng, 1894 auf der Insel geboren, trat erst mit 50 ins Mönchsleben ein, nachdem er seine Familie versorgt hatte. Er galt als Meister der Vipassana-Meditation und soll bis zu 15 Tage ohne Nahrung und Wasser ausgekommen sein.

Sechs Jahre für eine Straße

Der entscheidende Schritt in die Moderne begann 1967. Khun Dilok Suthiklom, ein lokaler Gemeindevorsteher, setzte sich dafür ein, eine Ringstraße um die Insel zu bauen. Heute ist diese Route als 4169 selbstverständlich; damals war sie fast eine Utopie.

Die Topografie Samuis machte das Projekt brutal schwierig. Zwischen Bang Po und Nathon standen Felsen, bei Lamai mussten Hänge gesprengt und von Hand geräumt werden. Maschinen mussten per Schiff herangeschafft werden. Der Monsun zerstörte Zeitpläne. Zwischen 1969 und 1973 entstand so eine 50 Kilometer lange Betonpiste, zunächst nur etwa zwei Meter breit. Erstmals konnte man die Insel mit dem Auto umrunden, auch wenn Fahrgäste gelegentlich aussteigen und schieben mussten.

1972 wurde zudem auf der kleinen, durch einen Damm verbundenen Insel Ko Faan der Tempel Wat Phra Yai mit seinem 12 Meter hohen goldenen Buddha vollendet. Es war, als versuche die Insel mitten im Aufbruch noch einmal ein spirituelles Gegengewicht zu setzen.

Als Samui auf der Backpacker-Karte erschien

Ende der 1970er Jahre kamen die ersten westlichen Individualreisenden. Es gab nun Straßen, aber noch keinen Flughafen. Wer nach Samui wollte, fuhr nachts von Surat Thani aus auf den sogenannten Kokosbooten hinüber, jenen Frachtschiffen, die sonst Kopra aufs Festland transportierten.

Ein früher Backpacker, der seine Erinnerungen später niederschrieb, beschreibt die Ankunft fast ehrfürchtig: vor ihnen eine schöne Tropeninsel mit kleinem Pier, Palmenstrand, wenigen Gebäuden; das Schiff zu groß zum Anlegen, also Weiterfahrt im kleinen Boot. Ein Bungalow kostete 15 Baht pro Nacht, Pad Thai 6 Baht, Coca-Cola 1 Baht.

Ins Innere führten oft nur Pfade. Reisende saßen hinten auf Motorrädern lokaler Bewohner, fuhren zu Wasserfällen, beobachteten Kokosaffen bei der Arbeit und gingen mit Fischern hinaus zu Nachbarinseln wie Koh Phangan, das damals fast leer war. Samui sprach sich auf der Backpacker-Route herum. Mitte der 1980er Jahre war die Insel kein Geheimtipp mehr.

Doch die Besucher nahmen nicht nur Geschichten von Stränden mit nach Hause. Sie exportierten auch einen Begriff.

Das Wort „Bong“ ist Thai

Eine der erstaunlichsten kulturellen Fußnoten Samuis beginnt mit einem Alltagsgegenstand. Das englische Wort bong ist kein westlicher Slang, sondern ein Lehnwort aus dem Thailändischen: บ้อง (baung), also eine zylindrische Bambusröhre. Bereits das McFarland Thai-English Dictionary von 1944 verzeichnet den Begriff als Wasserpfeife aus Bambus zum Rauchen von kancha, Hanf oder Haschisch.

Jahrhundertelang waren Bambuswasserpfeifen in Thailand nichts Exotisches. Cannabis war in Siam bis 1934 legal, wurde in Speisen wie kuay tiew ruea verwendet, in mehr als 200 überlieferten Medizinrezepturen dokumentiert und als Schmerzmittel oder Sedativum genutzt. Muay-Thai-Kämpfer banden sich die Hände mit Hanffasern, lange bevor westliche Boxhandschuhe üblich wurden. Im Norden verarbeiteten Hmong-Gemeinschaften Hanf seit Jahrhunderten zu Textilien.

Die Bambus-Bong war also keine subkulturelle Erfindung, sondern naheliegende Alltagstechnik: Bambus wuchs überall, Wasser kühlte und filterte den Rauch, die natürliche Verdickung im Halm bildete fast von selbst eine Wasserkammer. Volksingenieurkunst in ihrer elegantesten Form.

Warum gerade die Inseln eine Rolle spielten

Samui, Koh Phangan und Koh Tao blieben länger isoliert als viele Teile des Festlands. Urbanisierung kam spät, amerikanische Militärpräsenz spielte hier eine geringere Rolle als in Udon Thani, Korat oder U-Tapao. Wer in den 1970er Jahren mit dem Kokosboot auf Samui ankam, landete in einer Welt, in der ein Bambusrohr zum Rauchen so selbstverständlich wirken konnte wie ein Fischernetz oder eine Petroleumlampe.

Durch genau diese Reisenden, dazu Vietnam-Veteranen auf Erholungsurlaub in Thailand, wanderte das Wort baung ins Englische ein. Der früheste bekannte westliche Printbeleg stammt aus dem Januar 1971 in der Marijuana Review. Wenige Jahre später war bong international.

Thai Stick: vom Isan über die Küsten in die Welt

Parallel zur sprachlichen Reise der Bong wurde eine andere thailändische Cannabis-Legende global: Thai Stick. Gemeint waren hochwertige Landrassen-Sativa-Blüten aus dem Nordosten Thailands, auf Bambusstäbe gesteckt, mit Hanffasern gebunden, mit Haschischöl behandelt und teils unterirdisch fermentiert. Ein Produkt, das auf thailändischen Farmen fast nichts kostete und in amerikanischen Städten ein Vermögen einbrachte.

Nach Angaben von The Diplomat verließen zwischen 1968 und 1972 etwa 1.000 Tonnen Thai Stick das Land. Peter Maguire und Mike Ritter beschrieben in Thai Stick: Surfers, Scammers, and the Untold Story of the Marijuana Trade (Columbia University Press, 2013), wie Surfer, Hippies und Ex-Militärs daraus ein extrem lukratives Schmuggelnetz machten. Die Routen liefen über Bangkok, Pattaya und zwangsläufig auch über die Inselwelt des Golfs, zu der Samui gehörte.

Die gleichen Boote, die Kopra transportierten und Backpacker an Land brachten, gehörten zu diesem größeren historischen Milieu. Man muss daraus keine Kriminalromantik machen, um zu sehen, dass Samui auch hier ein Knotenpunkt war.

Ende der 1970er Jahre änderte sich der Rahmen radikal. Mit amerikanischer Unterstützung begann Thailand seinen harten Anti-Drogen-Kurs. Bauern wurden bezahlt, ihre Felder zu vernichten und auf andere Kulturen umzusteigen. Thai Stick verschwand fast vollständig. Mit dem Narcotics Act von 1979 wurde Cannabis kriminalisiert und blieb für Jahrzehnte in den Schatten.

2022: Rückkehr in legaler Form

Im Juni 2022 wurde Thailand das erste Land Asiens, das Cannabis entkriminalisierte. Tausende Gefangene kamen frei, die Pflanze wurde von der Betäubungsmittelliste gestrichen, und Gesundheitsminister Anutin Charnvirakul kündigte an, eine Million Setzlinge zu verteilen.

Auf Samui war der Effekt sofort sichtbar. In Chaweng und Lamai eröffneten Dispensaries und Weed-Shops, Cannabis-Lounges wurden Teil der touristischen Oberfläche. Die Daily Mail nannte die Insel „das neue Amsterdam“. Und als HBO die dritte Staffel von The White Lotus auf Samui drehte, tauchte mit dem Magical Weed Garden Lounge sogar ein echter Cannabis-Ort der Insel im Bild auf.

So schließt sich ein bemerkenswerter Kreis: Die Inselwelt, aus der das Wort bong in die globale Popkultur wanderte, wurde Jahrzehnte später erneut zu einem Ort, an dem Cannabis sichtbar und legal zur Landschaft gehört — nur dass heute Glas die Bambusröhren ersetzt hat und Bangkok-Airways-Jets die Kokosboote.

Wer tiefer in das Thema einsteigen will, findet bei uns auch einen Text über Cannabis-Tourismus und die unterschiedlichen Mentalitäten von Reisenden sowie eine Analyse dazu, was Cannabis-Qualität tatsächlich bestimmt.

Der Arzt, der gegen alle Vernunft einen Flughafen baute

Kaum eine Person hat Samui so stark verändert wie Prasert Prasarttong-Osoth. Als Junge sah er Bomber des Zweiten Weltkriegs über sich hinwegfliegen und entwickelte eine lebenslange Faszination für die Luftfahrt. 1968 gründete er Sahakol Air als Charterunternehmen. In den 1980er Jahren kam er zu einer Einsicht, die auf den ersten Blick größenwahnsinnig wirkte: Wenn Samui ein internationales Ziel werden sollte, brauchte es einen eigenen Flughafen.

Der Staat sah das anders. Banker erklärten ihm, die Insel könne vielleicht zwei Flüge pro Woche tragen. Prasert reagierte nicht mit einem Businessplan, sondern mit einem persönlichen Risiko, das fast absurd wirkt: Er verkaufte Vermögenswerte, darunter das Grundstück unter seinem Büro, und investierte etwa 800 Millionen Baht in den Bau eines Flughafens auf einer ehemaligen Kokosplantage bei Bophut.

Als die Anlage Anfang der 1980er Jahre fertig wurde, erklärten Behörden sie zunächst für unsicher — möglicherweise auch, um die staatliche Thai Airways zu schützen. Das Projekt stand monatelang still. Erst nach einer positiven ICAO-Begutachtung wurde der Weg frei.

Am 25. April 1989 nahm der Flughafen Samui offiziell den Betrieb auf: der erste private internationale Flughafen Thailands. Der erste Flug von Bangkok Airways wurde mit einer Dash 8-100 durchgeführt, die nur 37 Sitzplätze hatte. Heute zählt Samui Airport mehr als eine Million Passagiere im Jahr. Für Bangkok Airways ist die Inselroute bis heute ein zentraler Umsatzträger.

Noch wichtiger ist vielleicht die Symbolik: Dieser Flughafen ist nicht nur Infrastruktur. Er ist der Moment, in dem Samui aufhört, Randzone zu sein, und beginnt, sich selbst als Ziel zu entwerfen.

Wachstum ohne vollständigen Gedächtnisverlust

In den 1990er und 2000er Jahren beschleunigte sich alles: Luxusresorts, Tauchschulen, Einkaufszentren, internationale Krankenhäuser. Chaweng und Lamai verwandelten sich von Fischerdörfern in touristische Hauptachsen. Palmenhaine wurden zu Hotelgrundstücken. Koh Samui mit seinen rund 70.000 Einwohnern erhielt den Status kommunaler Selbstverwaltung.

Und doch verschwand die ältere Insel nicht völlig. Fisherman's Village in Bophut bewahrte seine Holzfassaden und engen Gassen. Hua Thanon blieb eine muslimische Fischergemeinde mit Morgenmarkt. Der Secret Buddha Garden, den ein lokaler Bauer namens Khun Nim in den 1970er Jahren im Inselinneren anlegte, liegt noch immer versteckt im Grün. Klöster, Schreine und das Vegetarische Festival strukturieren den Jahreslauf weiterhin spürbar mit.

Samui ist deshalb kein Ort, der seine Vergangenheit verloren hat. Eher einer, der gelernt hat, mehrere Zeiten gleichzeitig zu bewohnen.

White Lotus und die neueste Verwandlung

2025 brachte HBO die dritte Staffel von The White Lotus heraus, gedreht im Four Seasons Resort Koh Samui. Das Resultat war messbar: Suchanfragen nach Samui stiegen um 88 Prozent, Hotelbuchungen legten um 44 Prozent zu, und die durchschnittlichen Zimmerpreise kletterten je nach Segment um 10 bis 50 Prozent. Branchenvertreter erklärten, Samui könne erstmals in seiner Geschichte nahezu ohne Nebensaison auskommen.

Interessant ist jedoch nicht nur der Boom selbst, sondern das Bild, das The White Lotus von der Insel zeichnete: nicht nur Luxus, sondern auch Schlangen-Shows, die Full Moon Party des benachbarten Koh Phangan und die Cannabis-Lounge, von der oben bereits die Rede war. Samui erscheint damit nicht mehr bloß als Strandidylle, sondern als Bühne, auf der Spiritualität, Hedonismus, globale Popkultur und lokale Geschichte gleichzeitig präsent sind.

Was Samui im Innersten ausmacht

Von außen lässt sich Samui leicht als „Palmeninsel mit Resorts“ abheften. Von innen betrachtet ist es ein Ort mit ungewöhnlich vielen übereinanderliegenden Schichten.

Hier stehen buddhistische Tempel neben hainanesischen Schreinen, ein muslimisches Fischerdorf neben touristischen Nachtstraßen, ein mumifizierter Mönch mit Sonnenbrille neben modernen Dispensaries. Von hier aus wanderte das Wort bong in die englische Sprache; durch diese Inselwelt lief einst die Geschichte des Thai Stick; und durch einen Flughafen, den ein einzelner Arzt gegen den Rat fast aller anderen baute, kommen heute jedes Jahr mehr als eine Million Menschen.

Wir leben und arbeiten auf Samui und merken im Alltag, dass die Insel gerade dort am interessantesten wird, wo sie nicht geschniegelt wirkt. Wer Samui wirklich verstehen möchte, sollte nicht nur an den Strand gehen. Man sollte nach Hua Thanon fahren, den Guan-Yu-Schrein besuchen, morgens am Fischmarkt sitzen, zum Secret Buddha Garden hinauffahren und hören, wie die Insel klingt, wenn der touristische Lärm für einen Moment verschwindet.

Dann zeigt sich, dass Samui nicht von Hoteliers erfunden wurde. Die Insel wurde von Fischern, Mönchen, Händlern, Migranten, Bootsleuten und einem Arzt mit einer unmöglichen Idee geformt.

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Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und basiert auf veröffentlichten Recherchen, Archivinterviews und historischen Quellen.

Quick Answer

Koh Samui wurde vor rund 2.000 Jahren besiedelt. Im 19. Jahrhundert machten Hainan-Chinesen die Insel mit Kokosplantagen wirtschaftlich stark. Bis in die 1970er Jahre gab es kaum Straßen. Das englische Wort „bong“ stammt vom thailändischen บ้อง (baung), einer Bambus-Wasserpfeife, die durch Backpacker global wurde. 1989 eröffnete ein von einem Chirurgen gebauter Privatflughafen, 2025 ließ HBO''s White Lotus das Interesse an Samui explodieren.

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https://www.oglab.com/de/blog/samui-island-history

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