Snoop Dogg: Wie ein einzelner Mann Cannabis normal machte
Von *The Chronic* bis zu einem Venture-Capital-Fonds, von 81 Blunts am Tag bis zu einem festangestellten Professional Blunt Roller — die Geschichte von Snoop Dogg handelt eigentlich nicht von Rap und noch nicht einmal von Gras. Sie handelt davon, wie ein Mensch die Haltung eines ganzen Planeten gegenüber Cannabis veränderte.

Im Dezember 2023 verlor das Internet den Verstand. Snoop Dogg — ein Mann, dessen Name zum Synonym für Marihuana geworden war — postete in den sozialen Medien: „Ich gebe den Rauch auf. Bitte respektiert in dieser Zeit meine Privatsphäre.“ Seine 129 Millionen Follower erstarrten. Fans waren am Boden zerstört. Schlagzeilen von CNN bis Rolling Stone verkündeten das Ende einer Ära.
Vier Tage später tauchte Snoop in einer Werbung für Solo Stove auf und briet Marshmallows über einer rauchfreien Feuerstelle: „Ich weiß, was ihr denkt: ‚Snoop, Rauch ist irgendwie dein Ding.‘ Aber ich bin damit fertig … ich gehe rauchlos.“ Nutzer auf X (ehemals Twitter) schrieben: „Das ist, als würde man den Papst bitten, fürs Werbedeal die Predigt aufzugeben.“
Diese eine Episode ist Snoop Dogg in einem Satz: Er ist so untrennbar mit Cannabis verbunden, dass selbst ein Scherz über das Aufhören Weltnachrichten wurde. Kein anderer Mensch auf der Erde hätte denselben Coup geschafft. Weil kein anderer Mensch mehr getan hat, um Cannabis zu normalisieren, als Calvin Cordozar Broadus Jr. — alias Snoop Dogg.
Einstieg: das Album, das nach Marihuana benannt wurde
Am 15. Dezember 1992 veröffentlichte Dr. Dre The Chronic. Der Titel selbst war Slang für hochwertiges hydroponisches Marihuana, das in Südkalifornien beliebt war. Das Cover platzierte Dres Gesicht im Logo der Zig-Zag-Drehpapiere. Das Album verkaufte sich über sechs Millionen Mal und wurde ins National Recording Registry der Library of Congress aufgenommen.
Auf diesem Album hörte die Welt zum ersten Mal einen jungen Snoop Doggy Dogg. Er war zwanzig Jahre alt. Seine Stimme — träge, flüssig, als spräche er durch eine Rauchwolke — wurde sofort zur Visitenkarte eines neuen Sounds: G-Funk, Gangsta-Funk, eine Mischung aus psychedelischem Funk, Live-Instrumentierung und Street-Rap.
Vom ersten Ton seiner Karriere an war Snoop fest in die DNA von Cannabis eingeschrieben. Das war keine Pose und kein Marketingwinkel — es war kulturelle Identität.
Warum Snoop nicht nur „ein Rapper, der raucht“ ist
Es gibt keinen Mangel an Prominenten, die mit Cannabis in Verbindung gebracht werden — Willie Nelson, Seth Rogen, Woody Harrelson, Wiz Khalifa (und viele mehr). Aber Snoop tat etwas Grundlegend anderes. Er nutzte nicht nur. Er sprach nicht nur darüber. Er lebte, als sei die Prohibition schon aufgehoben — und tat es vor der ganzen Welt.
1993, als Snoop startete, war Cannabis in allen fünfzig US-Bundesstaaten illegal. Medizinisches Marihuana in Kalifornien sollte erst drei Jahre später kommen. Snoop verhielt sich schon so, als sei Rauchen das Normalste der Welt.
Und hier liegt sein echtes Wunder: Er bekämpfte das System nicht. Er marschierte nicht mit Plakaten (unterstützte aber Reformen). Er schrieb keine Petitionen. Er war einfach er selbst — entspannt, erfolgreich, wohlhabend, ruhig, kreativ. Er rauchte vor der Kamera. Er lachte. Und er wirkte nicht wie ein Versager oder Opfer, sondern wie ein Mann, dem es gut ging.
Damit riss er ein jahrzehntealtes Stereotyp ein: „Wenn du rauchst, bist du unten.“ Snoop zeigte, dass man ganz oben stehen kann.
81 Blunts am Tag — und ein festangestellter Blunt-Roller
Bei einem Reddit-AMA im Dezember 2012 (als er noch Snoop Lion hieß) fragte jemand: „Wie viel rauchst du durchschnittlich pro Woche?“ Seine Antwort: „81 Blunts am Tag x 7.“ Als ein anderer Nutzer nachhakte — „Warum nicht 82?“ — antwortete Snoop: „An einem guten Tag.“
Übertreibung? Wahrscheinlich. Aber hier ist eine noch verblüffendere Tatsache: Snoop beschäftigt einen Vollzeit-Professional Blunt Roller (PBR). Das ist kein Witz. Er enthüllte die Position 2019 in der Howard-Stern-Show. Gehalt: 40.000 bis 50.000 Dollar im Jahr. Plus Extras: gratis Marihuana, Welttouren, Markenkleidung, reisekostenlos. 2022 gab Snoop bekannt, der Roller habe eine Gehaltserhöhung bekommen — wegen der Inflation.
Seth Rogen, der in derselben Sendung saß, bestätigte: „Diese Person hat ein makelloses Timing — sie weiß immer, wann du einen Blunt brauchst.“
Snoops Kommentar war einfach: „Wenn du in etwas großartig bist, das ich brauche, stelle ich dich ein.“
Kein Aktivist. Kein Politiker. Ein Architekt
Es wäre ein Fehler, Snoop im klassischen Sinne als „Cannabis-Aktivisten“ zu beschreiben. Er ist kein Anwalt, kein Lobbyist, kein Gesetzentwerfer. Aber das, was er aufbaute, zählt für die Cannabis-Industrie genauso viel — vielleicht mehr.
Er baute ein Ökosystem:
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Leafs by Snoop (2015) — eine der ersten Celebrity-Cannabis-Marken, produziert über Canopy Growth in Kanada. Acht Produkte, Verpackungsdesign vom legendären Studio Pentagram.
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Merry Jane (2015) — eine Medienplattform, gestartet auf der TechCrunch Disrupt in San Francisco. Redaktioneller Content zu Cannabis-Business, Politik, Sorten, Kochshows und Promi-Interviews.
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Casa Verde Capital — ein Venture-Fonds, den Snoop mit Karan Wadhera und Tony Ghanem mitgründete. Portfolio: über 100 Start-ups weltweit — Anbautechnik, Telemedizin, Versicherung, Lieferdienste.
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Eaze — ein Cannabis-Lieferservice, den Casa Verde unterstützt.
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Mamedica — im September 2025 investierte Casa Verde 4,5 Millionen Pfund (rund 6 Millionen Dollar) in die größte britische Telemedizin-Plattform für medizinisches Cannabis. Über 7.500 Patienten; Schwerpunkte chronische Schmerzen und Epilepsie.
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Death Row Records — 2022 kaufte Snoop genau das Label, das seine Karriere startete. Der Kreis schließt sich.
Er machte Cannabis aus einer Untergrundsubstanz zu einer Industrie, einer Marke und einem Lifestyle. Nicht mit Worten — mit Geld, Teams und Produkten.
Der ruhige Führer
Wäre Cannabiskultur ein Pantheon, hätte jede Figur einen Archetyp. Bob Marley — der Prophet. Willie Nelson — der Älteste. Bob Dylan — derjenige, der den Beatles einmal im Hotel Delmonico einen Joint anbot und den Sound einer ganzen Generation veränderte.
Und Snoop? Snoop ist der Schutzpatron des Alltags.
Nicht aggressiv. Nicht predigend. Nicht revolutionär. Einfach ein ruhiger Führer. Ein Mann, der nie für das Recht zu rauchen kämpfte — er lebte so, als sei dieses Recht nie weggenommen worden. Und irgendwann hörte es wirklich auf, kontrovers zu sein.
Martha Stewart — die Königin des Hausmannskosts — ist seine beste Freundin. Gemeinsam moderierten sie eine Show auf VH1 (2017 Emmy-nominiert), starteten Joint Ventures und veranstalteten 2025 ein Cannabis-Pairing-Dinner in West Hollywood. Martha gibt zu, dass sie durch den passiven Rauch neben Snoop leicht high wird. Genau darum geht es: ein Mann, der Cannabis so normal machte, dass eine Homemaking-Ikone problemlos neben ihm sitzen kann.
Der kulturelle Boden für die Legalisierung
Als Snoop startete (1993), war Cannabis in allen fünfzig Staaten illegal. Heute haben Dutzende Staaten medizinisches und Freizeit-Marihuana legalisiert. Snoop hat kein einziges Gesetz geschrieben. Aber er schuf den kulturellen Boden, ohne den diese Gesetze viel schwerer durchzusetzen gewesen wären.
Forschung zeigt, dass Popkultur und Hip-hop die öffentliche Meinung zu Cannabis direkt verschoben. Snoop ist eine der Schlüsselfiguren in diesem Prozess. Jahrzehntelang sprach er sich öffentlich für Legalisierung aus. Er sprach über medizinische Eigenschaften von Cannabis. Er hob das Thema des Opioidersatzes hervor. Er wies auf ungerechte Verhaftungen hin, die schwarze Communities überproportional treffen.
Entscheidend ist: Er wirkte nie wie ein Aktivist. Er wirkte wie ein Mann, dem all das einfach selbstverständlich war. Und das war überzeugender als jeder Slogan.
Die globale Wirkung
Snoop ist nicht nur ein US-Phänomen. Sein Einfluss ist weltweit.
Er vollbrachte drei Dinge global:
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Er legitimierte das Image. Vor Snoop war das Mainstream-Bild des Cannabiskonsumenten der Versager, der Faulenzer, der „Junkie.“ Nach Snoop war es eine erfolgreiche, entspannte, kreative Person mit einem Business-Imperium.
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Er exportierte die Kultur. Über Musik, Film, Werbung und soziale Medien trug Snoop den entspannten Cannabis-Lifestyle nach Europa, Asien und Afrika. Man erkennt ihn buchstäblich überall.
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Er machte Weed mainstream. Cannabis war kein Nischen-Thema der Gegenkultur mehr. Es wurde Teil von Musik, Film, Werbung, Business — und ein erheblicher Teil dieser Normalisierung geschah durch eine Person.
Die olympische Fackel — oder der größte Blunt der Geschichte?
Im Juli 2024 erreichte Snoop eine neue, völlig undenkbare Stufe: NBC engagierte ihn als Sonderkorrespondent für die Olympischen Spiele in Paris. Laut Risikokapitalgeber Henry McNamara, der ein Gespräch eines NBC-Managers in einem New Yorker Restaurant mitbekam, erhielt Snoop 500.000 Dollar pro Tag plus Spesen — rund 8–9 Millionen Dollar für die 17 Tage der Spiele. NBC bestätigte die Summe nie offiziell, dementierte sie aber auch nicht.
Am 26. Juli trug Snoop die olympische Fackel durch den Pariser Vorort Saint-Denis — als einer der letzten Fackelträger vor der Eröffnungszeremonie. Das Internet explodierte sofort. Die konische Fackel in den Händen des berühmtesten Rauchers der Welt — die Memes schrieben sich von selbst. Der offizielle Olympia-Account auf X postete: „Don't… Drop it like it's hot!" BBC-Moderatorin Maryan Moshiri versuchte live seine Lyrics zu rappen. Nutzer schrieben: „Danke, dass du den olympischen Joint gehalten hast" und „Snoop in Paris schwebt garantiert auf Wolke sieben."
Aber die Fackel war nur der Anfang. Snoop kommentierte Dressur, wo ein Pferd namens Maxima Bella zu seinem Track Gin & Juice von 1994 auftrat. Er lieferte einen Freestyle live auf Sendung: „From the front to the back / There's so much drama, and party / It's hard being an H-O-R-S-E." Er tanzte in der ersten Reihe bei Simone Biles' Qualifikation im Turnen — so begeistert, dass der Kommentator das Publikum fragte: „Hat irgendjemand mehr Spaß als Snoop? Wohl kaum." Er nahm Schwimmunterricht bei Michael Phelps — mit Brille und Badekappe, scherzend über sein „Lungenvolumen".
Denken Sie kurz darüber nach. Ein Mann, dessen Name buchstäblich ein Synonym für Marihuana ist, wurde zum Gesicht des größten Sportereignisses der Welt. Er wurde nicht nur eingeladen — er bekam eine halbe Million pro Tag dafür bezahlt, er selbst zu sein. Das Olympische Komitee, NBC, globale Marken — alle entschieden: Snoop Dogg passt zu uns. Und das ist wohl der überzeugendste Indikator dafür, wie sehr sich die Haltung zur Cannabis-Kultur verändert hat. Wenn der Mann, der Marihuana verkörpert, die olympische Fackel trägt — dann hat sich die Welt wirklich verändert.
Er kämpfte nicht. Er lebte einfach
Über dreißig Jahre hat Snoop sich kein einziges Mal selbst verraten. Er versuchte nicht, fremde Erwartungen zu erfüllen. Er versteckte sich nicht. Er entschuldigte sich nicht.
Er verkaufte über 35 Millionen Tonträger. 2022 co-headlinete er die Super-Bowl-Halftime-Show und gewann dafür einen Emmy. Er wurde Investor, Medienmogul und kulturelle Ikone. Alles das — mit einem Blunt in der Hand.
Calvin Broadus Jr. hat Cannabis nicht nur normalisiert — er bewies, dass Normalisierung funktioniert. Dass es reicht, sich lange genug so zu verhalten, als wäre etwas schon normal, und früher oder später stimmt die Welt zu. Nicht weil du sie überzeugt hast. Sondern weil du ihr die Erlaubnis gegeben hast.
Weitere Geschichten, wie sich Cannabis mit Kultur und Prominenten kreuzt — in unserem Blog. Und wer wissen will, wie ein einziger Abend und eine falsch gehörte Textzeile den Sound einer ganzen Epoche veränderten, lese über The Beatles und Bob Dylan im Hotel Delmonico.
Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und basiert auf öffentlichen Äußerungen, Interviews und dokumentierten Fakten. Verantwortungsvoller Konsum und die Einhaltung der örtlichen Gesetze liegen in Ihrer Verantwortung.
Quick Answer
Snoop Dogg ist die Schlüsselfigur der Normalisierung von Cannabis. Seine Karriere begann mit Dr. Dres The Chronic (1992); heute führt er ein Cannabis-Imperium: die Marke Leafs by Snoop, die Medienplattform Merry Jane und den Venture-Fonds Casa Verde Capital mit über 100 Portfolio-Start-ups. Er bekämpfte das System nicht — er lebte, als sei die Prohibition schon aufgehoben, und das veränderte die Haltung der Welt gegenüber Marihuana.
📚Sources & References
- 1Rolling Stone — Snoop Dogg Gives Up Smoking for Solo Stove (2023)
- 2CNN — Snoop Dogg explains going smokeless (2023)
- 3Library of Congress — The Chronic (1992), National Recording Registry
- 4Black Cannabis Magazine — How The Chronic Made Cannabis Part Of Hip Hop Culture
- 5People — Snoop Dogg blunt roller salary increase due to inflation (2022)
- 6XXL Magazine — Snoop Dogg raises blunt roller salary
- 7TechCrunch — Snoop Dogg Launches Merry Jane (2015)
- 8Highly Capitalized — Casa Verde invests £4.5M in Mamedica (2025)
- 9Forbes — Snoop Dogg Net Worth 2025
- 10Wikipedia — Leafs By Snoop
- 11Reddit AMA — Snoop Lion, 81 blunts a day (2012)